23. Juni 2026
Deutsche und niederländische Behörden in der Euregio unterzeichnen Vereinbarungen zur medizinischen Hilfeleistung bei Katastrophen und Krisen
Wenn bei einem Großschadensereignis jede Minute zählt, endet schnelle Hilfe nicht an der Landesgrenze. Damit Rettungsdienste und Gesundheitsbehörden auf deutscher und niederländischer Seite im Ernstfall noch enger zusammenarbeiten können, haben Vertreterinnen und Vertreter beider Länder gemeinsame Arbeitsvereinbarungen für die medizinische Versorgung bei Großereignissen, Katastrophen und Krisensituationen unterzeichnet.
Die feierliche Unterzeichnung fand im Hörsaal des Medisch Spectrum Twente (MST) in Enschede im Anschluss an eine erfolgreiche grenzüberschreitende Katastrophenübung statt. Unterzeichnet wurde das Dokument „Arbeitsvereinbarungen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit - medizinische Versorgung bei Großereignissen, Katastrophen und/oder Krisensituationen“ von Führungskräften der Rettungsdienste, deutschen Regionalbehörden sowie der Leitungen der Gesundheitsämter aus Twente sowie Nord- und Ost-Gelderland.
Die deutschen und niederländischen Hilfsorganisationen haben für den Fall einer gemeinsamen Hilfeleistung bei einer größeren Katastrophe oder Krise verbindlich vereinbart,
- wie erfasst wird, welche Verletzten gegebenenfalls in ein Krankenhaus im Nachbarland verlegt werden,
- wie die Leitstellen den telefonischen Kontakt mit der Leitstelle im Schadensgebiet koordinieren,
- welche Einsatzleitungen zum Einsatzort entsandt werden
- und dass Rettungswagen aus dem unterstützenden Land unmittelbar zum Einsatzort fahren.
Die detaillierten Arbeitsvereinbarungen sind das Ergebnis der Auswertung zahlreicher deutsch-niederländischer Katastrophenübungen, die seit 2022 regelmäßig zweimal jährlich in der Region stattfinden. Zum Einsatz kommt dabei das sogenannte Emergo Train System (ETS) – ein international genutztes Übungssystem, mit dem Großschadenslagen in einer Büroumgebung an Whiteboards realitätsnah simuliert werden können. Bereits in den Jahren 2018 und 2024 organisierten die Projektpartner zudem groß angelegte Real-Life-Übungen mit Einsatzfahrzeugen, Material und Opferdarstellerinnen sowie Opferdarstellern.
„Es ist großartig, dass wir heute gemeinsam diesen nächsten Schritt gehen; hoffentlich einer von vielen auf dem Weg zu einer immer intensiveren Zusammenarbeit im Interesse der Bürger unseres gemeinsamen Arbeitsgebiets“, sagt Dr. Elizabeth Schwenzow, Ordnungsdezernentin und Vorstandsmitglied des Kreises Borken. „Mit dieser Vereinbarung haben wir konkrete Arbeitsschritte in der Zusammenarbeit bei Großschadensereignissen festgelegt und damit eine gute Basis für die zukünftige grenzüberschreitende Arbeit des Rettungsdienstes gelegt“, betont Dr. Elke Bertke, zuständige Dezernentin am Landkreis Grafschaft Bentheim.
Neben den Dezernentinnen Schwenzow und Bertke unterzeichneten Karin Leferink, Leiterin des Gesundheitsamtes Twente, Robert Fidder, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes Nord- und Ost-Gelderland, Piet Huizinga, Geschäftsführer des niederländischen Rettungsdienstes Ambulance Oost, sowie René Smit, Geschäftsführer des niederländischen Rettungsdienstes Witte Kruis, das Dokument.
Grenzüberschreitendes Szenario in Enschede geübt
Teil der Veranstaltung war zudem eine grenzüberschreitende Katastrophenübung. Dabei trainierten niederländische und deutsche Fachkräfte aus dem Gesundheits- und Rettungswesen gemeinsam ein fiktives, aber praxisnahes Katastrophenszenario im Zentrum von Enschede. Im Mittelpunkt stand eine Lage mit einer hohen Zahl an Verletzten. Geübt wurden unter anderem die Triage, die medizinische Versorgung, die Kommunikation zwischen den beteiligten Stellen sowie die Verteilung der Patientinnen und Patienten auf verschiedene Krankenhäuser in der Region.
An der Übung beteiligten sich rund 50 Fachkräfte deutscher und niederländischer Partner. Dazu gehörten die Rettungsdienste und Leitstellen des Kreises Borken, die niederländischen Rettungsdienste Ambulance Oost und Witte Kruis, Einsatzkräfte der medizinischen Hilfsorganisationen (GHOR) aus Twente sowie Nord- und Ost-Gelderland und die Notaufnahmen des Klinikums Westmünsterland mit den Standorten Bocholt, Borken und Ahaus, des St. Antonius Hospitals Gronau, des Medisch Spectrum Twente (MST) sowie des Streekziekenhuis Koningin Beatrix (SKB) in Winterswijk. Koordiniert wurde die Übung vom Bureau Acute Zorg Euregio.
Seit mehr als 20 Jahren enge Partnerschaft
Die Landkreise Grafschaft Bentheim und Borken sowie die niederländischen Regionen Twente und Nord- und Ost-Gelderland arbeiten seit mehr als 20 Jahren im Bereich der Rettungsdienst- und medizinischen Versorgung bei Katastrophen und Krisen eng zusammen. Die Partnerschaft gilt im Vergleich zu anderen deutsch-niederländischen Grenzregionen als einzigartig und wird kontinuierlich weiterentwickelt.