
15. September 2025
Grafschaft beschreitet neue Wege in der Pflege – Zweite Pflegekonferenz bot neue Perspektiven
Pflege ist eine der größten Zukunftsaufgaben – auch im Landkreis Grafschaft Bentheim. Auf der zweiten Grafschafter Pflegekonferenz im Nino-Hochbau wurde kürzlich deutlich: Die Grafschaft will Pflege gemeinsam neu denken und gestalten. Im Mittelpunkt stand der Blick nach vorn. Leitfragen wie „Wo stehen wir? Was können wir gemeinsam gestalten? Welche neuen Wege wollen wir gehen?“ gaben die Richtung vor.
Zunächst aber knüpfte die Konferenz an den Dialog aus der ersten Pflegekonferenz an, als Verwaltung, Einrichtungen, Ehrenamtliche und Angehörige ein gemeinsames Positionspapier zur Zukunft der Pflege erarbeiteten. Viele konstruktive Gespräche mit Landes- und Bundespolitik folgten und intensivierten den guten Austausch. Mit Blick auf den Landespflegebericht 2024 ordnete Hanna Reurik vom Pflegestützpunkt des Landkreises ein: „Die Pflegeversorgung im Landkreis Grafschaft Bentheim steht gut da. Doch angesichts der Lage dürfen wir uns nicht ausruhen.“ Das Case- und Care-Management werde gut angenommen. Jetzt ginge es darum, die Fortsetzung nach Auslauf des Modellprojekts über das Jahr 2026 hinaus zu sichern. Auch hierzu steht der Landkreis bereits im Austausch mit dem Land.
In seiner Ansprache hob Landrat Uwe Fietzek besonders das Engagement der Pflegekräfte hervor: „Ihre Arbeit ist systemrelevant und verdient unsere Anerkennung und konkrete Unterstützung. Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und wachsende Versorgungsbedarfe stellen uns vor große Herausforderungen. Aber sie eröffnen auch Möglichkeiten, Pflege zukunftsfähiger zu gestalten.“ Beispielhaft stellte Karin Salwolke vom Klinikum Osnabrück den „Flexpool“ vor. Mit dem neuen Personalmodell stellt das Klinikum einen flexiblen Einsatz von Pflegefachkräften außerhalb der regulären Teams sicher, um Ausfälle zu mindern und Mitarbeitende zu entlasten. Das Modell stieß bei den rund 80 Gästen der Pflegekonferenz auf großes Interesse. Karin Salwolke bestätigte: „Das Feedback unserer Kolleginnen beweist eine große Zufriedenheit mit dem Flexpool. Beruf und Privatleben lassen sich besser vereinbaren, die Wahl der Arbeitszeiten schafft mehr Selbstbestimmung und auch für uns als Flexbüro sind die Personalschichten besser zu planen.“ Personalmodelle wie der Flexpool könnten zur echten Win-Win-Situation werden, auch für andere Kliniken.
Neue Wege in der Pflege beschreitet auch der Pflegeausbildungsverbund Grafschaft Bentheim. Als Vertreter gaben Elisabeth Eistrup und Jan Trautwein ein Update zur Akquise von Pflegeauszubildenden im Ausland. Bei zwei Reisen nach Casablanca (Marokko) und einer Reise nach Jaunde (Kamerun) führten die Mitglieder des Pflegeausbildungsverbundes über 100 Gespräche mit interessierten Bewerber*innen. Am Ende konnten zahlreiche Verträge abgeschlossen und motivierte Nachwuchskräfte für die Pflege in der Grafschaft gewonnen werden. Die ersten starteten ihre Ausbildung bereits im September 2024, weitere folgten ihnen im September dieses Jahres. Für Jan Trautwein und Elisabeth Eistrup ist es ein Erfolg auf ganzer Linie: „Es war wichtig und hilfreich, den jungen Menschen schon in ihrer Heimat zu begegnen. So konnten wir uns persönlich austauschen und die nötige Sicherheit und Verbindlichkeit vermitteln, die es für einen Neustart in einem fernen Land braucht.“ Eine persönliche Betreuung erhalten die angehenden Pflegefachkräfte unmittelbar nach Vertragsunterzeichnung: Nicola Wolf de Carvalho begleitet die jungen Menschen und steht ihnen für ihre Fragen rund um Ausbildung und Neubeginn in der Grafschaft zur Verfügung. Das Fazit des Ausbildungsverbundes fällt positiv aus. So entwickele sich das Projekt – auch dank der Förderrichtlinie des Landkreises – gut und soll fortgeführt werden. Dezernatsleiter Gert Lödden findet: „Dass wir als Landkreis mit einer Förderrichtlinie helfen können, macht uns stolz - zeigt es doch, dass wir viele Probleme auch regional lösen können. Die lokale Kraft ist unser Potenzial. Mit Mut, Geduld und Engagement machen wir gemeinsam die Pflege besser – für heute und für morgen.“
Dass das Format der Pflegekonferenz fortgeführt werden soll, steht bereits fest. „Die Herausforderungen in der Pflege werden so schnell nicht abreißen. Wir wollen uns dem Thema weiter mit der nötigen Ernsthaftigkeit zuwenden und praktikable Lösungen suchen“, kündigt Mareike Bölle, Leiterin der Stabsstelle für Engagementförderung und gesellschaftliche Partizipation an. Die nächste Veranstaltung findet am 15. April 2026 gemeinsam mit dem Landkreis Emsland statt und wird sich mit der Digitalisierung in der Pflege auseinandersetzen.