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Blick auf die Dekontaminationsanlage des Tierseuchen-Logistikzentrums: Zwei Ehrenamtliche des THW-Nordhorn dekontaminieren in Schutzanzügen ein Fahrzeug und besprühen es mit einer Flüssigkeit.
Blick auf die Dekontaminationsanlage des Tierseuchen-Logistikzentrums: Zwei Ehrenamtliche des THW-Nordhorn dekontaminieren in Schutzanzügen ein Fahrzeug und besprühen es mit einer Flüssigkeit.

26. Juli 2022

Erster Einsatz für interkommunales Tierseuchen-Logistikzentrum

Die Afrikanische Schweinepest ist die erste Bewährungsprobe für das gemeinsame Tierseuchen-Logistikzentrum der Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim. Auf dem Flugplatz in Nordhorn-Klausheide ist eine große Halle, in der sonst Flugzeuge stehen, jetzt Dreh- und Angelpunkt für ein effektives Krisenmanagement zur Bekämpfung der Tierseuche. Hier werden die tierärztlichen Untersuchungsteams mit Material ausgerüstet, Proben werden entgegengenommen, Ausrüstung und Fahrzeuge werden gereinigt und dekontaminiert. Der Ortsverband Nordhorn des Technischen Hilfswerks (THW) hat dafür eigens eine Dekontaminationsanlage aufgebaut und betreut diese täglich mit mehreren Ehrenamtlichen. Unterstützt wird das THW dabei von Kameradinnen und Kameraden der Ortsfeuerwehr Schüttorf, die mit dem Thema Dekontamination befasst sind. „Von hier aus können wir schlagkräftig reagieren und agieren. Die Infrastruktur, die wir zusammen mit dem Landkreis Emsland nutzen, ist dafür ideal. Wir sind zudem mit vielen Akteuren, wie dem THW, sehr gut vernetzt“, macht der Grafschafter Landrat Uwe Fietzek bei einem Rundgang durch das 2014 errichtete Tierseuchen-Logistikzentrum deutlich. Bislang seien die Räumlichkeiten nicht benötigt worden. Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest habe die Inbetriebnahme nun jedoch erfordert. Für Menschen ist die Tierseuche ungefährlich, der Landrat hat aber die Ängste der Landwirte im Blick: „Wir leben in einer der schweinehaltungsintensivsten Regionen Deutschlands. Von der Verbreitung der Seuche hängen die Existenzen ganzer Familien ab.“ Daher seien die Eindämmung und Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest besonders wichtig.

Die Viruserkrankung, die nur Haus- und Wildschweine befällt, ist am 2. Juli 2022 in einem landwirtschaftlichen Betrieb im emsländischen Emsbüren amtlich festgestellt worden. Um den betroffenen Betrieb wurden eine Schutzzone mit einem Radius von drei Kilometern sowie eine Überwachungszone mit einem Radius von zehn Kilometern eingerichtet. Von der Schutzzone ist der Landkreis Grafschaft Bentheim nicht betroffen. Im Bereich der Überwachungszone liegen auf Grafschafter Gebiet hingegen 70 schweinehaltende Betriebe mit rund 63.000 Tieren. „Innerhalb der Überwachungszone führen wir Umgebungsuntersuchungen im Rahmen von risikoorientierten Stichproben durch. Je nach Größe des Betriebes werden bis zu 29 Schweine untersucht. Unsere Teams sind dann rund drei Stunden bei den Betrieben vor Ort. Danach geht es direkt nach Klausheide ins Tierseuchen-Logistikzentrum“, beschreibt Dr. Hermann Kramer, Leiter der Veterinärabteilung des Landkreises Grafschaft Bentheim, das aktuelle Vorgehen. Bei der Rückkehr aus dem Einsatzgebiet gilt im Tierseuchen-Logistikzentrum eine strikte der Trennung der „unreinen“ und der „reinen“ Seite. Das heißt: Sämtliche Ausrüstung und Kleidung muss zunächst auf der „unreinen“ Seite abgegeben werden. Die tierärztlichen Teams duschen nach jedem Einsatz. Erst gereinigt, desinfiziert und komplett neu ausgerüstet geht es auf die „reine“ Seite. Das gleiche gilt für die Fahrzeuge, die die Dekontaminationsanlage durchfahren müssen. So soll eine mögliche Verschleppung der Afrikanischen Schweinepest oder anderer Krankheitserreger von einem zum anderen Betrieb verhindert werden.

Die Eintragungsursache in den Betrieb in Emsbüren ist unterdessen noch immer unbekannt. „Wir haben keinerlei Hinweise auf eine Fahrlässigkeit des betroffenen Betriebes. Es scheint sich um einen punktuellen Ausbruch zu handeln. Das Ergebnis einer so genannten Genomsequenzierung des in Emsbüren gefundenen Erregers steht noch aus“, sagt Kramer. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Ausbruchs hat der Landkreis Grafschaft Bentheim reagiert und entsprechende Seuchenbekämpfungsmaßnahmen ergriffen. „Wir haben auch die Jägerschaft eingebunden, die Schwarzwild nun verstärkt bejagt. Erlegte Wildschweine werden in der Grafschaft bereits seit 2007 auf die Afrikanische Schweinepest untersucht. Bislang haben wir noch keine Hinweise auf erkrankte Wildschweine vorliegen. Das ist eine gute Nachricht“, berichtet die zuständige Dezernentin Dr. Elke Bertke. Für den Aufbruch erlegter Wildschweine stelle der Landkreis den Jägern Kadavertonnen zur Verfügung. Darüber hinaus sei die Jägerschaft aufgefordert, verstärkt auf Fallwild zu achten.

Insgesamt ist der Landkreis auf Krisensituationen, wie diese, gut vorbereitet. In der Vergangenheit haben regelmäßig Übungen stattgefunden und der Landkreis ist mit wichtigen Akteuren eng vernetzt. Dazu zählen u.a. der Landwirtschaftliche Kreisverband, der Beratungsring, sämtliche Blaulichtkräfte, das LAVES, das Landwirtschaftsministerium und die benachbarten Landkreise. Auch der grenzüberschreitende Austausch mit den Niederlanden verläuft sehr gut. „Tierseuchen, wie die Afrikanische Schweinepest, kann man nur gemeinsam bekämpfen“, ist Kreisveterinär Kramer überzeugt und hofft, dass die Überwachungszone spätestens Anfang Oktober aufgehoben werden kann.

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