
24. August 2026
„Wie konnte das geschehen?“: Historiker Götz Aly spricht in Neuenhaus über die Deutschen und den Nationalsozialismus
Der renommierte Historiker und Publizist Götz Aly kommt in die Grafschaft Bentheim. Am Dienstag, den 15. September 2026, ist er um 19 Uhr im Lise-Meitner-Gymnasium in Neuenhaus zu Gast. Unter der Fragestellung „Wie konnte das geschehen?“ spricht er über Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus und beleuchtet, warum so viele Deutsche bereit waren, das NS-Regime zu unterstützen und zu aktiven, gefügigen oder stillen Beteiligten an Krieg, Terror und Massenverbrechen zu werden. Veranstaltet wird der Vortragsabend vom Förderverein Günter Frank Haus in Kooperation mit dem Kulturmanagement des Landkreises Grafschaft Bentheim. Der Eintritt ist frei.
Wenn es um die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust geht, zählt Götz Aly zu den bekanntesten deutschen Autoren. In seiner neuesten Studie „Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945“, veröffentlicht im vergangenen Jahr, rückt er die politischen, sozialen und psychologischen Mechanismen in den Fokus, die den Aufstieg der NSDAP und die breite gesellschaftliche Beteiligung am nationalsozialistischen System ermöglichten. Ausgangspunkt ist für ihn die schwere Krise der frühen 1930er Jahre: 1932 wurde die NSDAP zur mit Abstand stärksten Partei gewählt. Bald darauf übernahm sie die Macht und konnte auf eine wachsende Zustimmung in der Bevölkerung bauen. Obwohl viele Deutsche den Krieg fürchteten, zogen schließlich rund 18 Millionen Soldaten in einen verheerenden Krieg, der ganz Europa überzog. Dabei beteiligten sich Hunderttausende an beispiellosen Verbrechen und Massenmorden.
Aly zeigt, dass die Gründe dafür vielschichtig sind. Die Nationalsozialisten versprachen demnach Aufstieg und Wohlstand, hielten die Bevölkerung gleichzeitig in ständiger Bewegung und ließen kaum Raum für kritische Distanz. Als der Glaube an den Sieg schwand, wandelte sich die propagierte „Volksgemeinschaft“ laut Aly zunehmend zu einer „Verbrechensgemeinschaft“. Jeder habe wissen können, welche Schuld die Deutschen auf sich luden. Die Angst vor dem, was nach einer Niederlage geschehen würde, sei bewusst geschürt worden, so der Autor. Eindringlich beschreibt Aly die „Herrschaftsmethoden, mit denen die NS-Machthaber Millionen Deutsche in gefügige Vollstrecker oder in vom Krieg abgestumpfte Mitmacher verwandelten“ – Mechanismen, die auch heute noch zur kritischen Auseinandersetzung herausfordern.
Der Vortragsabend im Lise-Meitner-Gymnasium (Bosthorst 10 in Neuenhaus) beginnt am 15. September 2026 um 19 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr) und dauert rund zwei Stunden. Im Anschluss an den Vortrag können die Teilnehmenden dem Autor Fragen stellen und mit ihm ins Gespräch kommen. Der Eintritt ist frei. Aufgrund der begrenzten Platzkapazitäten ist eine vorherige Anmeldung jedoch erforderlich und bis zum 13. September 2026 möglich.
Plätze können online auf der Internetseite des Landkreises reserviert werden: www.grafschaft-bentheim.de/veranstaltungen